
Bilder wieder greifbar machen
Dießen (ger) – Als noch mit Filmen fotografiert wurde, musste sich ein Fotograf beschränken: Nur das wirklich Wichtige und die guten Motive hatten auf einem 24er oder 36er Film Platz. Heute ist der Speicherplatz der Digitalkamera oder des Mobiltelefons fast unbeschränkt. Dafür bleiben die meisten Bildermassen nur in Form von Millionen und Milliarden Bytes existent oder sind nur noch flüchtige Momentaufnahmen, die gleich wieder gelöscht werden. Immer weniger Aufnahmen werden zur tatsächlichen Abbildung auf Papier.
Das ist das Thema des Greifs. Diese neue Wortschöpfung bezeichnet ein Zeitungsprojekt, das am Freitag, 11. Juli, um 20 Uhr im Dießener Taubenturm präsentiert wird. Gemacht wird Der Greif von Felix von Scheffer (21) und Simon Karlstetter (22). Der eine hat gerade sein Abitur gemacht und erhielt jüngst den Münchner Jugendfilmpreis, der andere studiert an der Fachhochschule Augsburg Kommunikationsdesign.
»Der Greif ist ein Medium, das digitale Bilder im Druck auf Zeitungspapier wieder fassbar, greifbar machen will«, beschreiben die beiden ihr Vorhaben. »Im Computerzeitalter sind viele sehenswerte Fotografien auf den Festplatten der Urheber versteckt und bleiben in den meisten Fällen auch dort, für andere verborgen und selbst für die Macher oft nur als rohe Dateien vorhanden. Durch das Kommunikationsmittel Zeitung wird die Aktualität und Lebendigkeit, die diese Fotos besitzen, transportiert.« Die Foto-Zeitung, so die Absicht ihrer beiden Herausgeber, soll von abstrakter bis journalistischer Fotografie alles vereinen, was Anspruch auf ästhetischen und inhaltlichen Reiz hat.
Der Greif sei als Plattform für alle gedacht, die sich gestalterisch und kritisch mit ihrer Umwelt auseinandersetzen und visuell mit dem Medium Fotografie festzuhalten versuchen. Wer interessiert ist, daran mitzuarbeiten, schickt fünf ausgewählte Fotos an die Greif-Redaktion, die die Bilder zu einem interessanten, visuell reizvollen Konzept zusammenfügt und als Zeitung druckt.
Vom 11. bis 14. Juli wird Der Greif erstmals der Öffentlichkeit präsentiert, im Taubenturm in Dießen täglich von 14 bis 22 Uhr. Dort wird die Zeitung mit Fotos von 30 jungen Fotografen verkauft, außerdem wird der Arbeitsprozess in einer Installation visualisiert. Für jeden Abend sind wechselnde Performances angekündigt.
Der Greif will, so von Scheffer und Karlstetter, politisch und möglichst auch finanziell unabhängig und nicht auf klassische Werbekunden angewiesen sein. Aber er benötigt Spenden, die über den Heimatverein geleistet werden können, der das Projekt als Institution trägt.
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