Andrea Engelke

Ohrenbetäubende Stille (2008)
Wie wirkt sich ständiger Schmerz auf einen Menschen aus?
Schmerzempfinden an sich ist lebensnotwendig, denn es weist uns auf Erkrankungen oder Verletzungen hin und lässt uns darauf reagieren; hört der Schmerz jedoch nicht mehr auf und verliert somit seine Warnfunktion, zwingt sich die Frage nach seinem Sinn auf.
Alle Porträtierten meiner Arbeit leiden permanent oder häufig wiederkehrend unter körperlichen Schmerzen. Während akuter Schmerz uns in unserer alltäglichen Welt belässt – da wir uns meist dem baldigen Ende bewusst sind -, zerstört chronischer Schmerz in seiner Absolutheit die normalen Erwartungen an das Leben und macht die Zeit vor dem Schmerz unvorstellbar. Es kommt die Angst und Unsicherheit dazu, wann oder ob der Schmerz je enden wird.
Für die Fotografien habe ich die Betroffenen gebeten, sich gedanklich zu ihren Schmerzen zu begeben.
Den körperlichen Schmerz eines anderen Menschen kann niemand wirklich nachfühlen. Zudem ist er weder mess- noch sichtbar und daher nicht zu beweisen. Seine Nichtkommunizierbarkeit isoliert den Betroffenen: im Schmerz ist man allein.
„Schmerzen haben heißt Gewissheit haben. Von Schmerzen hören heißt Zweifel haben.“ Elaine Scarry, Der Körper im Schmerz
Andrea Engelke hat Fotografie an der FH Bielefeld studiert und dort 2008 Diplom gemacht. Inzwischen arbeitet sie in Hamburg als freie Fotografin und Bildredakteurin.
